13.05.2019 / 1.000 Windenergie-Anlage

Besondere Herausforderung Genehmigung

Genehmigungsverfahren für Windenergie-Anlagen zählen heute zum aufwändigsten Teil eines Projekts überhaupt. In Mohlis war es vor allem ein nahe gelegener Bundeswehrstandort, der juwi vor besondere Herausforderungen gestellt hat.

„Ja, Herausforderungen gab es einige im Genehmigungsverfahren“. Projektleiter Jörg Heilmann muss nicht lange überlegen, als ihm die Frage gestellt wird. Während in den Anfangsjahren der Windenenergie noch ein einfacher Bauantrag ähnlich wie bei einem Einfamilienhaus ausreichend war, füllen die Antragsunterlagen heute Dutzende von Aktenordnern. Da macht das Projekt in Mohlis keine Ausnahme. „Unser BImSchG-Antrag war ein Großauftrag für die Druckerei“ erzählt der Projektleiter mit einem Augenzwinkern. 72 Aktenordner reichte juwi beim zuständigen Landratsamt   ein. 16 Einzelgutachten zu allen möglichen Themen waren notwendig: Vom üblichen Turbulenzgutachten bis zu eher außergewöhnlichen Dokumenten wie einem Mahdgutachten – und das obwohl der Standort im Entwurf des Regionalplans enthalten war.

„Dieser Umfang ist heute Standard“, berichtet Bernhard Bögelein. „Das ist auch für die Genehmigungsbehörden eine Herausforderung. Deshalb haben wir der zuständigen Immissionsschutzbehörde eine externe Verfahrensbegleitung empfohlen, die die Behörde bei den formellen Anforderungen des Verfahrens unterstützt. Das hat sich auch bewährt.“ Der 63-Jährige ist einer der erfahrensten Genehmigungsexperten der Branche, er leitet das Team der Projektentwicklungs-Experten bei juwi.  In seinem beruflichen Leben sind ihm so ziemlich alle denkbaren Unwägbarkeiten, die ein Genehmigungsverfahren so mit sich bringen kann, schon untergekommen.  „Und trotzdem ist jedes Projekt neu und hat so seine besonderen Herausforderungen“, sagt Bögelein. „Es hilft allerdings durchaus, wenn man auf einen Erfahrungsschatz von 1.000 erfolgreich genehmigter Anlagen zurückgreifen kann.“

 

Bundeswehrstandort als besondere Herausforderung

Bei Jubiläumsprojekt von juwi in Mohlis war es nicht zuletzt der sieben Kilometer entfernte Bundeswehrstandort in Gleina, der die juwi-Projektverantwortlichen gefordert hat. „Die dortige Radaranlage hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet“, erzählt Heilmann. Als Träger öffentlicher Belange hatte die Bundeswehr Vetorecht bei den Planungen. Das heißt im Klartext: Ein Nein der Verantwortlichen bei der Bundeswehr hätte das Aus für das Projekt bedeutet.

„Wir mussten in Zusammenarbeit mit dem Flug- und Rüstungskonzern EADS als Gutachter nachweisen, dass die Radaranlage durch unsere Anlagen nicht gestört wird. Das war extrem aufwändig“, erzählt Heilmann. Der Anlagentyp wurde so ausgewählt, dass Turm und Gondel besonders schlank sind und wenig Störpotenzial bieten. Vor allem aber: In einem monatelangen Trial-and-Error-Prozess wurden die Anlagenstandorte auf den Planungskarten immer wieder verschoben – solange bis Gutachter und Bundeswehr grünes Licht gaben. Manch einer hätte angesichts der Komplexität alleine bei diesem Thema wahrscheinlich irgendwann die Flinte ins Korn geworfen. Die Beharrlichkeit von juwi aber hat sich ausgezahlt.

Ohne Ausdauer und tiefes Fachwissen ist die Entwicklung eines Windenergieprojekts heute allerdings auch gar nicht mehr möglich.  

„Der Berg an Themen, die für die Genehmigung einer Windenergie-Anlage abgearbeitet werden müssen, ist immer höher geworden“, sagt Bernhard Bögelein.

Eine zentrale Rolle bei fast jedem Projekt spielt der Artenschutz. Da macht die 1.000 Windenergie-Anlage von juwi keine Ausnahme. In gut einem Kilometer Entfernung zu den Anlagenstandorten wurden im Laufe der Voruntersuchungen Horste von Rot- und Schwarzmilan gesichtet. Beide Arten stehen auf der Schutzliste und müssen bei jeder Planung deshalb in besonderem Maße berücksichtigt werden.

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens hat juwi deshalb Maßnahmen zum Schutz der Greifvögel entwickelt darunter ein Mahdkonzept, das dafür sorgt, dass die Anlagen abgeschaltet werden, wenn erhöhte Kollisionsgefahr besteht – und das ist immer dann der Fall, wenn die Flächen rund um die Anlagen bewirtschaftet werden. Dazu muss man wissen, dass das Nahrungsangebot für die Greifvögel dort besonders hoch ist, wo gerade frisch gemäht ist. Und damit auch sichergestellt ist, dass diese Abschaltzeiten eingehalten werden, gibt es in Mohlis einen externen Windparkpaten, der diese Einhaltung überwacht.

„Wir versuchen mit unserer Arbeit Lösungen zu finden die ein Miteinander von Mensch, Natur und Windenergie bestmöglich gewährleistet. Unsere Erfahrung hilft uns dabei, hier auch immer wieder neue Ideen einzubringen“, sagt Bögelein.

Genehmigungsverfahren gestern und heute
1999 2019
Rechtliche Grundlage Baugesetzbuch Bundesimmissionsschutzgesetz
Umfang des Antrags (durchschnittlich) 1 Aktenordner 3 bis 5 Aktenordner (in bis zu 25-facher Ausfertigung)
Dauer der Vorplanung 6 Monate 24 Monate
Dauer des Genehmigungsverfahrens 3 Monate 18 bis 24 Monate
Wesentliche Themen Statik Zusätzlich: Immissionsschutz, Artenschutz, Umweltverträglichkeit, Landschaftsbild, Flugsicherheit

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